Peer-to-Peer-Plattformen im Hypothekenbereich

Von Jean-Pierre Pfenninger, CEO Hyposcout

Peer-to-Peer, kurz P2P, bedeutet in der digitalen Sprache, von Gleichgestelltem zu Gleichgestelltem. Mit dem Ausdruck bezeichnet man im Allgemeinen kommunikative Netzwerke, in denen alle Beteiligten die gleichen Möglichkeiten haben und alle mit allen eine Kommunikation initiieren können.

Mit anderen Worten: Wenn man von Peer-to-Peer spricht, meint man im Normalfall digitale Kommunikationsplattformen, über die Personen auf der Seite der Nachfrage direkt mit Personen auf der Seite des Angebots und umgekehrt in Kontakt treten können – sie sind also, wie gesagt, Gleichgestellte.

Erste Peer-to-Peer-Applikationen entstanden in den späten 1990er-Jahren. Dank Peer-to- Peer-Netzwerken veränderten sich einerseits die Beziehungen von Unternehmen mit ihren Kunden, denn diese ist nicht mehr länger linear – vom Kunden zum Unternehmen und zurück – sondern ein mehrdimensionales Netzwerk, in dem jede Interaktion, sei es vom Kunden oder vom Unternehmen, eine Schnittstelle für weitere Interaktionen sein kann.

Aber Peer-to-Peer beeinflusste nicht nur die Beziehung von Unternehmen zu Kunden, mit ihm entstanden auch ganz neue Geschäftsmodelle. Denn Peer-to-Peer selbst, bzw. die dafür notwendige Technologie, wurde zum Geschäft. Auf dem Peer-to-Peer-Prinzip entstanden Unternehmen, die heute weltweit agieren, wie die Online-Verkaufsplattform eBay, die Online-Währung Bitcoin, der Fahrdienst-Service Uber oder der Ferienwohnung- Vermietungsservice AirBnB.

Wie sieht P2P im Bereich Hypotheken aus?

Mit dem Peer-to-Peer-Ansatz kamen auch im Finanzbereich neue Plattformen auf den Markt, etwa das sogenannte Peer-to-Peer-Lending. Dabei handelt es sich um Darlehen, die online vermittelt werden. Solche Plattformen übernehmen also die Vermittlerfunktion, die im analogen Zeitalter von der Bank übernommen wurde – es handelt sich um eine Digitalisierung der Kreditvermittlung. Damit wird der ganze Prozess wesentlich schneller und effizienter. Ausserdem fallen die Gebühren tiefer aus als bei der Bank, da der administrative Aufwand schlanker ist.

Der Ansatz von Hyposcout

Das Geschäftsmodell von Hyposcout basiert genau auf diesem Peer-to-Peer-Lending-Ansatz. Kurz gesagt: Wir geben zwei Partnern – einem Geldgeber und einem Geldnehmer – die Möglichkeit, sich zu finden. Wir haben sowohl auf der Seite der Kreditsuchenden als auch auf der Seite der Kreditgeber einen Pool von Personen, die sich auf unserer Plattform registrieren. Hyposcout sucht dann die passenden Matches aus und verbindet die beiden Personen miteinander.

Der Prozess erfolgt grob in drei Schritten:

 

  1. Eine Person beantragt auf unserer Online-Plattform einen Kredit. Dabei gibt sie die gewünschte Höhe sowie die Dauer der Rückzahlung an. Gleichzeitig registrieren sich potentielle Kreditgeber auf unserer Plattform und geben an, wie viel Geld sie zu welchen Konditionen investieren möchten.
  2. Der Antrag des Kreditantragstellers wird danach von unseren internen Kreditprüfern begutachtet. Auf dieser Basis erstellen wir eine Checkliste mit allen wichtigen Informationen für den Kreditgeber.
  3. Das Dossier wird danach einem geeigneten Kreditgeber zugestellt. Dieser entscheidet schliesslich selbst, ob er den Kredit zu den gewünschten Konditionen geben will.

Die Konditionen machen Kreditgeber und -nehmer direkt untereinander aus. Somit sind theoretisch alle gesetzlich möglichen Konditionen denkbar. Jedoch wirken Angebot und Nachfrage gegenseitig aufeinander ein, das heisst: Ist eine Anfrage realistisch, so wird sich ein Geldgeber finden. Ist eine Anfrage hingegen utopisch, so wird sich kein Geldgeber finden.

Während des ganzen Prozesses steht Hyposcout beiden Parteien zur Seite. Das heisst, wir unterstützen die Parteien bei der Abwicklung aller administrativen Prozesse, etwa dem Eintrag des Geldgebers im Grundbuch. Wir übernehmen jedoch keine Beraterfunktion.

Was kann Hyposcout, was andere nicht können?

Hyposcout unterscheidet sich einerseits von der Bank, andererseits von anderen Peer-to- Peer-Lending-Plattformen.

Von der Bank als klassische Hypothekengeberin unterscheidet sich Hyposcout dadurch, dass es eben keine Bank ist. Denn, Hyposcout nimmt kein Geld entgegen und vergibt auch keines. Der Geldfluss erfolgt direkt vom Kreditgeber zum Kreditnehmer. Das gibt Hyposcout gewisse Freiheiten.

Hyposcout ist nicht der Bankenregulierung unterstellt, etwa der Tragbarkeitsregelung von 5%. Gerade von Leuten, die sich im Bereich von 3 bis 5% Tragbarkeit befinden, erhalten wir viele Anfragen. Diese Personen sind gut situiert, oft junge Familien mit genügend hohem Einkommen oder Pensionierte, die ihre Hypothek verlängern müssen. Sie stellen eigentlich ein gutes Risiko dar, aber sie erreichen nur knapp nicht die Tragbarkeitsgrenze.

Das andere zentrale Merkmal von Hyposcout ist, dass wir grundpfandgesicherte Kredite anbieten. Damit grenzen wir uns von anderen digitalen Kreditplattformen ab. Diese bieten nämlich oft nur riskante Blankokredite an. Mit einem grundpfandgesicherten Kredit ist der Geldgeber im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Geldnehmers über einen Eintrag im Grundbuch abgesichert und rückt so in den ersten oder zweiten Rang der Kreditoren auf. Wir geben den Geldgebern somit die gleiche Sicherheit, wie sie diese bei der Vergabe eines Privatdarlehens erhalten würden.

Wie sieht die Zukunft der Banken und Hypothekenvermittler aus?

Die Consulting Firma McKinsey sagt aus, dass im Jahr 2025 bis zu 40 Prozent der Umsätze von Banken bedroht sein könnten – unter anderem im Bereich der Kreditvergabe. Ein zentraler Grund dafür ist die Digitalisierung.

Die Prozesse bei Banken haben sich über Jahrzehnte entwickelt und wurden oftmals nie erneuert oder hinterfragt. Mit der Digitalisierung werden nun Prozesse optimiert und transparent, die früher hinter verschlossenen Türen stattfanden. Damit wächst auch das Verständnis der Leute für die Abwicklung dieser Prozesse – und die Erwartungen an Effizienz und Transparenz steigen. Die Digitalisierung wird sich in der Branche so bemerkbar machen, dass jene, die nicht oder zu langsam darauf reagieren, längerfristig nicht überleben können. Die Branche wird transparenter, schneller und flexibler.

Ausserdem kommen fast täglich neue digitale Produkte und Applikationen auf den Markt. Der Kunde kann heute je nach Service einen anderen Anbieter wählen – er ist nicht mehr an eine einzige Bank gebunden. Auch das wird die Banken sicher beeinflussen – sie werden längerfristig wohl zu rein regulatorischen Institutionen.

Die Banken haben diese Entwicklung zwar mitbekommen, sind aber zu träge, um darauf rechtzeitig und mit der nötigen Flexibilität reagieren zu können. Gerade die Schweizer Finanzbranche ist verglichen mit anderen Ländern und Wirtschaftszweigen noch sehr wenig digitalisiert. Hier gibt es viel Potenzial sich weiterzuentwickeln.

Bill Gates war hier ein Vordenker. Er hat diese anstehenden Veränderungen bereits in den 1990ern vorausgesagt, als viele noch nichts von der Digitalisierung verstanden. Ich zitiere darum gerne seine Worte, denen ich voll und ganz zustimme: «Banking ist necessary, banks are not.» Worte, die meiner Meinung nach immer noch topaktuell sind.

 

Der Text ist eine gekürzte Fassung des Referats von Hyposcout-CEO Jean-Pierre Pfenninger an der Immotable Wirtschaftsrau Aargau vom 27. April 2017.